Jiaogulan – Das Kraut der Unsterblichkeit aus Südchina
Irgendwo in den Bergen der chinesischen Provinz Guizhou bemerkten Forscher in den 1970er Jahren etwas Ungewöhnliches: In manchen Regionen erreichten auffällig viele Menschen ein außergewöhnlich hohes Alter. Die Wissenschaftler fragten nach. Was essen die Menschen hier? Welche Pflanzen wachsen in diesen Tälern?
Eine Pflanze tauchte in den Antworten immer wieder auf: Jiaogulan.
Keine teure Rarität. Kein exotisches Gewürz aus fernen Landen. Eine wilde Kletterpflanze mit dem botanischen Namen Gynostemma pentaphyllum — günstig, überall verfügbar, so alltäglich in vielen ländlichen Regionen Südchinas wie bei uns Kamille oder Pfefferminze. Die Landbevölkerung bereitete sie seit Generationen täglich zu. Einfach, natürlich, beständig.
Aus dieser Geschichte entstand ein Name, der bis heute neugierig macht: Das Kraut der Unsterblichkeit.

⚠️ Wichtiger Hinweis
Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum) gilt in der EU gemäß Novel-Food-Verordnung 2015/2283 als Novel Food und ist nicht als Lebensmittel zugelassen. Bei Herzlich Natur ist Jiaogulan ausschließlich als getrocknetes Bio-Kräuterpotpourri zur dekorativen Verwendung erhältlich. Dieser Artikel informiert über die kulturelle und botanische Geschichte dieser faszinierenden Pflanze.
Woher kommt Jiaogulan? Die Geschichte einer Volkspflanze
Jiaogulan stammt ursprünglich aus den Bergregionen Südchinas sowie Teilen Japans, Vietnams, Koreas und Thailands. Dort wächst die Kletterpflanze teilweise wild an Waldrändern, Berghängen und in feuchten Gebieten — eine Pflanze, die keine besondere Pflege braucht und praktisch überall gedeiht, wo es ihr gefällt.
Was viele überrascht: In der klassischen chinesischen Kräuterkunde taucht Jiaogulan lange Zeit kaum auf. Der Grund ist eigentlich naheliegend. Die Pflanze war nicht das kostbare Kraut der Adligen und Gelehrten — sie war das Kraut des Volkes.
Während teure Pflanzen oft wohlhabenden Familien vorbehalten blieben, gehörte Jiaogulan in vielen ländlichen Regionen Südchinas zum schlichten Alltag. Ein günstiger, überall zugänglicher Begleiter — und damit wohl genau deshalb für Jahrhunderte kaum schriftlich dokumentiert. Wer schreibt über das, was alle kennen?

Die Bergregionen der chinesischen Provinz Guizhou — Heimat von Jiaogulan seit Jahrhunderten.
Warum heißt Jiaogulan „Kraut der Unsterblichkeit“?
Die Geschichte hinter diesem poetischen Beinamen ist nicht erfunden, sondern gut dokumentiert. Forscher, die in den 1970er und 1980er Jahren die besonders hohe Lebenserwartung in bestimmten Guizhou-Regionen untersuchten, bemerkten ein wiederkehrendes Muster: Jiaogulan-Konsum war dort nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
Natürlich: Ein langes Leben hat viele Ursachen. Ernährung insgesamt, Bewegung, saubere Luft, ein aktives Leben in der Natur, enge soziale Einbindung. Jiaogulan war Teil dieses Gesamtbilds — ein auffälliger Bestandteil davon, aber eben nur einer von vielen.
Aus dieser Beobachtung entstand der Beiname. Nicht als wissenschaftliches Versprechen, nicht als medizinischer Claim. Sondern als das, was er immer war: eine volkstümliche Beschreibung aus einer Zeit und einer Kultur, in der diese Pflanze fest zum Alltag gehörte. Den Namen trägt sie bis heute.
Botanik – was Jiaogulan so besonders macht
Die meisten Kräuter haben eine klare Hauptkomponente: Kamille hat ihre ätherischen Öle, Lavendel sein charakteristisches Linalool. Jiaogulan fällt dabei auf eine eigene Weise auf — was Botaniker und Pflanzenforscher an ihr besonders beschäftigt, ist die ungewöhnliche Vielfalt ihrer sekundären Pflanzenstoffe.
Gypenoside sind die bekanntesten davon. Sie gehören zur Gruppe der Saponine — komplexe Pflanzenstoffe, die auch in vielen anderen Kräutern vorkommen. Was Gynostemma pentaphyllum besonders macht: Wissenschaftler haben bislang über 100 verschiedene Gypenoside in der Pflanze identifiziert. Zum Vergleich: Ginseng, mit dem Jiaogulan botanisch nicht verwandt ist, enthält deutlich weniger Saponine dieser Art.
Dazu kommen Flavonoide als pflanzliche Begleitsubstanzen, Polysaccharide als komplexe Pflanzenbestandteile sowie verschiedene natürliche Aminosäuren — ein reiches botanisches Profil, das Jiaogulan für die Pflanzenwissenschaft seit Jahrzehnten interessant macht.
Wissenschaftlich anerkannte gesundheitsbezogene Aussagen im EU-rechtlichen Sinne existieren für Jiaogulan nicht. Was bleibt, ist die echte Faszination über eine Pflanze mit außergewöhnlich reichhaltiger Phytochemie.
Von der Volkskultur zur weltweiten Neugier
Jahrhundertelang blieb Jiaogulan vor allem in Teilen Asiens bekannt. Seit den 1980er Jahren und verstärkt mit dem wachsenden westlichen Interesse an asiatischen Pflanzen und botanischen Traditionen hat sich das grundlegend geändert.
Der Name „Jiaogulan“ — auch geschrieben als Jiagulan oder Jiogulan, botanisch bekannt als Gynostemma pentaphyllum — taucht heute in botanischen Sammlungen, Kräutergärten und naturkundlichen Ausstellungen weltweit auf. Als Kletterpflanze eignet sie sich unter den richtigen Bedingungen (geschützte Lage, ausreichend Feuchtigkeit) sogar für europäische Gärten.
Was die Menschen fasziniert, ist oft nicht ein einzelner Aspekt der Pflanze, sondern das Gesamtbild: eine jahrhundertealte Tradition, eine ungewöhnliche Botanik und eine Geschichte, die zeigt, dass die interessantesten Pflanzen manchmal nicht die teuersten sind.
Jiaogulan in der EU – was du wissen solltest
Das ist der Teil, über den viele beim ersten Lesen stolpern — und über den wir bei Herzlich Natur offen und transparent sprechen wollen.
Jiaogulan ist in der Europäischen Union gemäß der Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 als Novel Food eingestuft. Das bedeutet: Die Pflanze hat keine EU-Zulassung als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel.
Was Novel Food bedeutet: Lebensmittel fallen unter diese Kategorie, wenn sie vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang konsumiert wurden. Novel Food bedeutet nicht automatisch, dass eine Pflanze problematisch ist — es bedeutet, dass sie einer besonderen Zulassung bedarf, die für Jiaogulan bis heute nicht erteilt wurde.
Bei Herzlich Natur bieten wir Bio-Jiaogulan deshalb ausschließlich als getrocknetes Kräuterpotpourri zur dekorativen Verwendung an — als Naturprodukt für botanisch Interessierte und Liebhaber getrockneter Kräuter. Wir finden es wichtig, das klar zu kommunizieren, weil Transparenz mehr wert ist als schöne Texte ohne Substanz.

Häufige Fragen zu Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum)
Was ist Jiaogulan?
Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum, auch bekannt unter den Schreibweisen Jiagulan oder Jiogulan) ist eine Kletterpflanze aus den Bergregionen Südchinas, Japans, Vietnams und Koreas. In der asiatischen Kräutertradition ist sie seit Jahrhunderten bekannt und trägt den volkstümlichen Beinamen „Kraut der Unsterblichkeit“ oder „Unsterblichkeitskraut“. Bei Herzlich Natur ist sie als Bio-Kräuterpotpourri zur dekorativen Verwendung erhältlich.
Warum heißt Jiaogulan „Kraut der Unsterblichkeit“?
Der Name stammt aus Beobachtungen in der chinesischen Provinz Guizhou, wo Forscher in den 1970er Jahren Regionen mit ungewöhnlich hoher Lebenserwartung untersuchten. In vielen dieser Regionen war Jiaogulan ein alltäglicher Bestandteil des Lebens. „Kraut der Unsterblichkeit“ ist ein traditioneller Volksname — kein medizinisches Versprechen und keine wissenschaftliche Aussage über Wirkungen auf den Körper.
Was bedeutet Novel Food und wie ist Jiaogulan in der EU eingestuft?
Gemäß EU-Verordnung 2015/2283 gilt eine Pflanze als Novel Food, wenn sie in der EU vor dem 15. Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang als Nahrungsmittel konsumiert wurde. Jiaogulan fällt in diese Kategorie und besitzt keine EU-Zulassung als Lebensmittel. Deshalb darf Jiaogulan in Deutschland und der gesamten EU weder als Tee noch als Nahrungsergänzung verkauft werden — wohl aber als getrocknetes Kräuterpotpourri zur dekorativen Verwendung.
Was enthält Jiaogulan botanisch?
Gynostemma pentaphyllum enthält eine ungewöhnlich hohe Anzahl sekundärer Pflanzenstoffe: über 100 identifizierte Gypenoside (eine Untergruppe der Saponine), dazu Flavonoide, Polysaccharide und natürliche Aminosäuren. Das macht sie zu einer botanisch bemerkenswerten Pflanze Asiens. Gesundheitsbezogene Wirkungsaussagen im EU-rechtlichen Sinne sind für Jiaogulan nicht zulässig und wissenschaftlich nicht belegt.